Bild zur BU-Versicherung

Eine oft gestellte Frage: Brauche ich diese Versicherung?

Braucht man eine BU-Versicherung?

Die Frage kann man klar mit JA beantworten. Eine BU-Versicherung (kurz BU-Versicherung) ist für jeden Arbeitnehmer und Selbständigen eine wichtige und zum Teil existenzielle Absicherung, da die gesetzliche Absicherung (die sogenannte Erwerbsminderungsrente) die Kosten bei Berufsunfähigkeit nicht aufzufangen vermag.

Hier direkt zu den Antworten:
Was ist eine Berufsunfähigkeits-Versicherung?Wie viel zahlt die gesetzliche Absicherung bei Berufsunfähigkeit?Für wen macht eine BU-Versicherung Sinn?Wie wahrscheinlich ist heutzutage eine Berufsunfähigkeit bzw. dass es mich trifft?Was sind die Ursachen für eine BU?Was sollte man beim Abschluss einer BU-Versicherung beachten?Was passiert wenn ich nicht angenommen werde?Ist meine BU-Rente steuerpflichtig?

Was ist eine Berufsunfähigkeits-Versicherung?

Die BU-Versicherung ist eine privat gezahlte Versicherung, die im Falle einer Berufsunfähigkeit eine monatliche Rente für den Versicherten zahlt.

Voraussetzung für die Zahlung der vereinbarten BU-Rente ist, dass der Versicherte laut Arzt zu mindestens 50 Prozent nicht mehr in der Lage ist seinen aktuellen Beruf weiter auszuführen und diese Berufsunfähigkeit für mindestens sechs Monate andauern wird.

Es gibt noch andere Tarifarten mit anderen Leistungsvoraussetzungen, aber diese haben sich nicht durchgesetzt, oder waren schlichtweg nicht empfehlenswert für den Kunden. Daher kann man alle weiteren Tarifvarianten ignorieren.

Wie viel zahlt die gesetzliche Absicherung bei Berufsunfähigkeit?

Die gesetzliche Absicherung ist die Erwerbsminderungsrente (kurz EmR). Die volle EmR entspricht im Durchschnitt ca. einem Drittel des vor Krankheit verdienten Bruttoeinkommens. Über die EmR sind grundsätzlich nur die versichert, die in die gesetzliche Rentenversicherung seit mindestens 60 Monaten einzahlen. Also haben die meisten Selbständigen und Berufsstarter keine Absicherung.

Für alle nach 1961 Geborenen gibt es vom Staat nur noch die EmR.


Das große Problem für die Rentenversicherungspflichtigen und somit Pflichtversicherten in der EmR ist aber, dass es deutlich schwerer ist eine Zahlung zu erhalten. Bei der privaten BU-Versicherung muss man aus gesundheitlichen Gründen lediglich zu  50 Prozent nicht mehr im Stande sein seinen zuletzt ausgeübten Beruf  weiter nachzugehen um die versicherte Rente im vollen Umfang zu erhalten. Bei der EmR hingegen darf man gar keine Tätigkeit (nicht nur seinen Beruf!) für mehr als 3 Stunden am Tag ausüben können, um Anspruch auf die volle EmR zu haben. 

Wie schwer es ist hieraus eine Leistung = sprich Geld zu erhalten zeigen die Zahlen der Deutschen Rentenversicherung laut denen nahezu 50 Prozent der Anträge auf Erwerbsminderungsrente abgelehnt werden.


Für wen macht eine BU-Versicherung Sinn?

Im Grunde für fast jeden. Jeder, der bei Krankheit nicht zumindest 80 Prozent seines Einkommens weiter erhält und somit zur Berufsunfähigkeit auch noch finanzielle Probleme bekommt - sollte sich absichern.

Berufsstarter und viele Selbständige haben gar keine Absicherung und benötigen dringend eine private Versicherung gegen BU!

Es gibt aber einige Berufe, die unverhältnismäßig teuer in der Versicherung sind, so dass es Sinn machen könnte alternative Absicherungen zu prüfen, die vielleicht nicht das gesamte Leistungsspektrum bieten, dafür aber bezahlbar sind für den Versicherten.

Wie wahrscheinlich ist heutzutage eine Berufsunfähigkeit bzw. dass es mich trifft?

Laut Statistik der Deutschen Rentenversicherung sprechen die Zahlen für Arbeitnehmer von einer Wahrscheinlichkeit von 1:4. Oder anders gesagt: Jeder Vierte Arbeitnehmer wird innerhalb seiner Arbeitszeit berufsunfähig. Bei körperlich arbeitenden ist das Risiko sogar bei 1:3.

Einer von 4 Arbeitnehmern wird statisch berufsunfähig!

Was sind die Ursachen für eine BU?

Früher war es hauptsächlich Verschleiß, wie beispielsweise am Rücken. Seit einigen Jahren wurde die Wirbelsäule und der Bewegungsapparat von der Psyche abgelöst. Laut Deutscher Rentenversicherung liegt die Wahrscheinlichkeit aufgrund einer Überlastung (durch "Stress"), Depression oder moderner ausgedrückt aufgrund eines Burn-outs langfristig aus dem Arbeitsleben auszuscheiden am Höchsten. 

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Was sollte man beim Abschluss einer BU-Versicherung beachten?

Beim Abschluss einer BU-Versicherung kann man heutzutage zum Glück nicht mehr so viel verkehrt machen wie noch vor rund 10 Jahren. Da das Thema Berufsunfähigkeit in aller Munde ist und alle namhaften Finanz-Zeitschriften regelmäßig hierzu berichten sowie Institute und Ratingagenturen in Intervallen hierzu Tests durchführen mit wichtigen Hinweisen auf was man achten sollte, hat sich die Tarifwelt im Bereich BU stark zu Gunsten der Versicherten verbessert.
Fallstricke, wie eine abstrakte Verweisung ( = Sie können Ihren Beruf nicht mehr ausüben, aber der Versicherer kann Sie auf einen anderen Beruf verweisen, den Sie noch ausüben könnten und muss daher nicht zahlen) oder eine Arztanodnungsklausel ( = der Versicherer kann Sie dazu zwingen Operationen durchzuführen und falls Sie sich weigern kann er die BU-Leistung später verweigern) findet man heute so gut wie gar nicht bei den aktuellen Tarifen auf dem Markt.
Trotzdem sollte man hierzu einen Fachmann zu Rate ziehen (am besten einen neutralen Versicherungsmakler oder einen Honorarberater), der einem hilft aus der Vielzahl an angebotenen Tarifen, die für den eigenen Beruf passenden und preiswerten Versicherer auszuwählen.

Je nach Beruf bestehen zwischen den Tarifen der Versicherer mittlerweile Beitragsspannen von nicht selten über 200 Prozent.

Zudem sollte im Vorfeld nicht nur das Bedingungswerk von einem Profi auf Herz und Nieren überprüft werden, sondern auch nur finanzstarke Versicherer zur Auswahl stehen. Die BU-Versicherung läuft (je nach Eintrittsalter beim Abschluss) zwischen 20 und 45 Jahre, da ist es nicht unerheblich, ob ein Versicherer finanziell das teure Thema langfristig stemmen kann oder ihm über die Zeit finanziell die Luft ausgeht.

Wie im Januar 2018 geschehen bei der WWK, die ihre Kunden anschreiben musste, dass die Beiträge für viele BU-Versicherte um rund 30 Prozent ab nächsten Monat steigen!

Zudem sollte die Höhe der BU-Rente im Falle einer langfristigen Arbeitsunfähigkeit ausreichend sein, um seine Lebenshaltungskosten weiter decken zu können. Als Faustformel dient hier die Größe von rund 80 Prozent von seinem verfügbaren Einkommen - sprich dem Netto.
Leider ist die Vielzahl der Versicherten weit unter diesem Richtwert versichert, so dass zwar eine Absicherung vorhanden ist - aber im Fall der Fälle es nicht ausreicht, um "normal" weiter leben zu können, sondern der Gürtel muss enger geschnallt werden und das für eine vielleicht lange Zeit.

Leider differieren bei vielen Versicherern der nicht garantierte Zahlbeitrag und der Tarifbeitrag extrem. Da kann es später teuer werden, wenn der Versicherer auf den Tarifbeitrag erhöht! Daher auch den Tarifbeitrag im Auge behalten, ob man sich diesen auch leisten kann!

Auch bis zu welchem Alter man sich versichert ist alles andere als unwichtig. Die meisten BU-Verträge laufen zu kurz und lassen dem Versicherten in ein tiefes finanzielles Loch stürzen, wenn beispielsweise mit 60 Jahren die Zahlung der BU aufhört, die Altersrente ohne Abschläge aber noch in weiter Ferne ist und aktuell erst mit 67 Jahren startet.
Es ist deutlich günstiger sich nur bis zum Alter 60 zu versichern - aber dann sollte man auch in Erwägung ziehen sich vielleicht gar keine Versicherung für die BU zuzulegen. Da spart man noch mehr.

Und als finaler Punkt, warum auch heute noch oft Versicherte klagen müssen, wenn sie zwar nachweislich (durch einen Arzt) berufsunfähig sind, aber der Versicherer nicht zahlen möchte: Das richtige Ausfüllen der Gesundheitsfragen im Antrag.

Gibt der Versicherte bei Beantragung nicht alle Krankheiten und gesundheitlichen  Beschwerden vollständig und wahrheitsgemäß an, kann der Versicherer im BU-Leistungsfall vom Vertrag zurücktreten.
Das kann man vermeiden indem man sich einmalig ausreichend Zeit nimmt und alle Gesundheitsfragen korrekt und vollständig erfasst und somit dem Versicherer die Möglichkeit gibt sich von Ihrer Gesundheit ein Bild zu machen und eine entsprechende Versicherbarkeit zu prüfen.

Was passiert wenn ich nicht angenommen werde?

Das kann leider immer passieren, da manche Vorerkrankungen ein zu hohes Risiko für den Versicherer bergen, oder kurz gesagt die Wahrscheinlichkeit berufsunfähig zu werden dem Versicherer zu hoch ist durch die Kombination Beruf und bereits vorhandene Krankheiten.
In diesem Fall kann man nur nach weniger leistungsintensiven Alternativen der Arbeitskraftversicherung Ausschau halten und versuchen dort unterzukommen.

Nicht alle Versicherer entscheiden identisch bei der gleichen Krankenakte. Daher um sich die Chance zu erhalten bei einem anderen Versicherer unterzukommen, sollte man über einen neutralen Fachmann anonymisiert Risikovoranfragen an diverse in Frage kommende Versicherer stellen ohne das Risiko einzugehen eine Ablehnung zu erhalten.

Ist meine BU-Rente steuerpflichtig?

Ja. Wie jede Einkunft in Deutschland ist auch die BU-Rente steuerpflichtig, sofern man mit seiner Rente den Grundfreibetrag von derzeit 8.820 Euro überschreitet (Stand 2017).
Es wird aber nur der Ertragsanteil besteuert. Je später man berufsunfähig wird desto geringer ist der prozentuale Anteil der Rente, der versteuert wird.

Autor

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Gabriel Sampl
Finanzwirt (twi)
Seit 1996 freier Berater im Bereich Versicherungen


Veröffentlicht am 15.11.2018
+49-89-32654558

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